Brauchtum
Schellen-Ursli hat’s vorgemacht

Brauchtum in Pontresina

Spaziert man am 1. März durch Pontresina, scheint es, als sei man direkt im Film-Set des erfolgreichen Schweizer Films Schellen-Ursli gelandet. Die traditionellen Engadiner Häuser mit ihren mächtigen Steinmauern bilden dabei die Kulisse. Mitten drin die Hauptdarsteller: Knaben in leuchtend blauen und roten Kutten. Sie ziehen singend von Haus zu Haus. Dabei dürfen die grossen Kuhglocken – die Plumpas – und das Peitschenknallen natürlich nicht fehlen. Damit vertreiben die Kinder in bester Schellen-Ursli-Manier die Wintergeister aus dem Dorf. Schöner als mit diesem Chalandamarz-Brauch (latainisch für erster März) kann der Frühling kaum beginnen.

Pontresina pflegt seine traditionellen Bräuche.

Schlitteda

Etwas ruhiger als beim Chalandamarz geht es beim Brauch „Schlitteda“ zu und her. Jeweils am zweiten Januar-Sonntag laden die Burschen ihre Mädchen ein und holen sie zu Hause ab. Auf einem festlich geschmückten Pferdeschlitten kutschiert dann der Kavalier seine Begleiterin durch Pontresina und das Val Roseg. Früher war die Schlitteda ausschliesslich ein Fest der Ledigen. Heute hat sie sich zu einem Dorffest gewandelt, an dem sich Ledige und Verheiratete gleichermassen erfreuen. Übrigens: Die Entstehung dieses Brauchtums geht auf frühere Zeiten zurück, als Schlitten und Pferd im Winter das einzige Beförderungsmittel waren. Fand eine Hochzeit oder ein Begräbnis statt, fuhr man mit Pferd und Schlitten zu den jeweiligen Ereignissen. 

Eiertrölen – ein fast vergessener Osterbrauch

Erinnern Sie sich noch an das Eiertrölen an Ostern? Die Eier mit einer besonders harten Schale waren jeweils die „Siegereier". Nach dem Ostergottesdienst suchte man draussen eine steile Wiese. Dort rollte jeder sein Ei die Böschung hinunter. Ging das Ei eines Spielers in Brüche, schied dieser aus. Es wird gemunkelt, dass einige Teilnehmer vor Spielbeginn ihre Eier in einen Ameisenhaufen legten, damit die Schale besonders stark wurde. Das beliebte Eierfärben gehörte auch zu diesem Brauch. Meistens kochte man die Eier in einem Zwiebelschalensud. Das Eiertrölen wird in Pontresina heute noch immer durchgeführt. Die Eierbahn befindet sich auf Crast'Ota, unterhalb des Spazierweges.