Steinbock
König der Klippen

Steinböcke in Pontresina im Engadin

Zuerst vergöttert, dann ausgerottet, später wiederangesiedelt – der Alpensteinbock hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Der Fotograf Hansjörg Egger ist dem Bündner Wappentier an die unmöglichsten Orte gefolgt – einige seiner Bilder stellen wir hier kurz vor. Diese zeigen: Steinböcke sind beeindruckende Wesen. Trotz ihres Körpergewichts von bis zu 90 Kilogramm sind sie äusserst flinke, sichere Kletterer. Sie verstecken sich oft hinter Felsen, Klippen und Überhängen. Und auf dem äussersten Fels thront meist majestätisch der Rudel-Boss. Es braucht viel Geduld, um Steinböcke aufzuspüren. Oder in den Worten von Hansjörg Egger: „Plötzlich hast Du sie vor der Linse. Natürlich haben sie Dich längst gesehen und eine ganze Weile beobachtet. Irgendwann vertrauen sie Dir und Du fühlst Dich, als gehörtest Du zum Rudel. Ein ähnliches Gefühl hast Du übrigens auch abends, wenn Du mit der Rhätischen Bahn nach Hause zurückkehrst. Du riechst dann selber wie ein Steinbock – und hast ein Abteil für Dich alleine.“ 

Der Steinbock ist Symbol für die Alpen und für Pontresina zugleich.

Grösste Steinbock-Kolonie der Schweiz in Pontresina

Heute lebt im Val Languard, oberhalb von Pontresina, die grösste Steinbock-Kolonie mit rund 1'600 Tieren. Im Frühjahr wagt sich das Steinwild sogar bis ins Dorf hinunter, wo man es ohne grosse Mühe beobachten und bestaunen kann. Dabei sollten Besucher stets Abstand zu den Tieren halten und die Wild- und Ruhezonen respektieren. Ebenfalls gute Beobachtungsorte sind in der Umgebung der Kirche Santa Maria, des Schutzdammes Giandains und entlang des Blais-Weges. Das war nicht immer so. Denn der Steinbock wurde in der Schweiz schon früh ausgerottet. Seine geringe Scheu und der Glaube des Menschen an die wundersame Heilwirkung von Steinbockpräparaten wurden ihm zum Verhängnis. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelang es dem italienischen König Vittorio Emanuele III ein paar der letzten Exemplare zu entwenden und in die Schweiz zu schmuggeln. Alle heute in den Alpen lebenden Steinböcke stammen von diesen Tieren ab.

Brunftzeit und Steinbock-Gehörn

Apropos Abstammung: Der Steinbock gehört zur Gattung der Ziegen. Die Brunft ist jeweils im November. Zur Setzzeit in den Juniwochen lösen sich die Rudel auf und die Geissen leben anfangs eher zurückgezogen mit ihren Kitzchen. Bockrudel und Geissrudel befinden sich oft an ganz verschiedenen Orten am Berg. Die Hörner der Männchen können bis über einen Meter lang werden. Sie wachsen stetig, wobei die Spitze die älteste Partie darstellt. Die Hörner dienen dem Kampf- und dem Imponiergehabe – aber gern auch zum Abstützen des schweren Kopfes. Und natürlich zum Kratzen, wenn das dichte Winterhaar im Frühling büschelweise ausfällt und die Tiere ihren Sommerlook erhalten.